Sonntag, 27. November 2016

Advent, Advent ...


ein Füchslein brennt …

Viele Wege führen nach Rom, aber bisweilen komme ich 
auch mal ganz gern vom Weg ab. Das liegt jedoch auch 
an Herrn Hein. Denn schon im September 1986, als wir 
gemeinsam den Plan gefasst hatten mit meinem alten Auto 
nach Italien zu fahren, stand das Reiseziel Rom fest. Doch 
zunächst wollte mir Wolfgang beweisen, dass auch er 
endlose Sanddünen am Meer kennt. So führte uns die Reise 
 zunächst von Hannover in die Niederlande ans Meer. Dort, 
in Katwijk empfing uns aber feinstes Regenwetter, so dass 
wir das Land am nächsten Tag schnell verließen, Belgien 
durchquerten und in Paris auf den Umgehungsstraßen 
landeten. Irgendwie schafften wir es dann doch noch ins 
Zentrum, verweilten etwas am Centre Pompidousahen 
uns Les Halles an, schlenderten an alten romantischen 
sowie neuen hochmodernen verspiegelten Glasfassaden 
vorbei und machten natürlich Fotos ohne Ende. 'Und jetzt 
noch den Eifelturm?' fragte Wolfgang etwas ziellos. 
'Das ist doch Touristenkram!' entgegnete ich. Denn 
schließlich kannte ich Paris schon von früher, und 
hatte die Stadt 5 Jahre zuvor dank eines Franzosen mit 
ganz anderen Augen erlebt. Wenig später saßen wir also 
wieder im Auto, denn wir wollten über die Côte d'Azur 
irgendwann mal in Italien ankommen. Die Loire sahen wir 
deswegen nur bei Nacht und fuhren noch dazu auf 
der falschen Seite - die ohne Schlösser. Total übermüdet 
übernachteten wir dann im Auto auf einem Rastplatz kurz 
vor Orange - neben einer Raffinerie. Am nächsten Morgen 
genossen wir die historische Stadt und fuhren weiter 
zu einem Campingplatz irgendwo am Mittelmeer. Dort 
wurden wir am folgenden Tag früh morgens im Zelt durch 
lautstarkes 'Surferdeutsch' geweckt, blieben noch ein 
paar Stunden an einer ruhigeren Stelle direkt am Meer,
 und lernten die Küstenstraße in Richtung Italien kennen. 
In Monaco verfuhren wir uns, und verzweifelten dabei 
fast an den Einbahnstraßen. Doch irgendwann sahen wir 
ein Schild Richtung Italien, und wenig später der Tunnel. 
Von unzähligen Lichtern begleitet erreichten wir die Mitte 
des Tunnels und plötzlich wurde es schlagartig dunkel - 
wir waren endlich in Italien angekommen! Von Ventimiglia 
führte uns die Reise etwas die Küste entlang bis Genua. 
Und in Genua mussten wir feststellen, dass wir mit ganz 
unterschiedlichen Urlaubsvorstellungen gestartet waren. 
Wolfgang wollte sich einen Stadtplan kaufen und länger 
in Genua verweilen, während ich nach dem Stadtrundgang 
genau wußte, wo wir unser Auto abgestellt hatten, und 
endlich zur nächsten Stadt weiterfahren wollte. Nach 
langen Diskussionen, die fast zum Abbruch der Reise 
geführt hätten, gab es einen Kompromiss. In Florenz 
und Rom wollten wir uns ein Zimmer nehmen, um uns 
die Städte genauer anzusehen. Aber Lucca, Siena, 
Ravenna usw. sollten dann im Silke-typischen Schnell-
verfahren erlebt werden. Und so kamen wir nach dem
 Umweg über die Niederlande, Belgien und Frankreich 
nach ca. 10 Tagen endlich in Rom an …

Und so ähnlich erging es mir nun ganz plötzlich mit 
der Adventsdeko im Gartenfenster: Denn ich hatte ja
den Entschluss gefasst, das Bleikristall meiner Schwieger-
mutter dort zu verarbeiten. Nur ob das frostige Eisblau 
jetzt wirklich schon zum Einsatz kommen sollte? Da war 
ich mir nun nicht mehr so sicher. Denn das Wetter war 
gar nicht mehr so frostig. Und laut Wetterbericht sollte 
es in der Folgewoche nur 2 kalte Tage geben. Danach 
wäre mal wieder das matsch-graue Winterwetter dran. 
Und wie es der Zufall wollte, unternahm ich am frühen 
Morgen einen Blog-Spaziergang zu Meriseimorion, der mich 
nach diesem Post an meinen Deko-Plänen zweifeln ließ …

Noch dazu hatte ich vom schlaftrunkenen Wolfgang 
morgens erfahren, dass er das Adventssingen unserer 
kleinen Canham-Mäuse wieder nur als  'Auftragsarbeit' 
betrachtet, und eigentlich eine weitere Geschichte mit 
2 Füchsen plant: 'Advent, Advent ein Füchslein brennt.' 
'Oh, klasse!' In mir begann es zu arbeiten, und in Null-
kommanix sollte Wolfgang statt der geplanten Installation 
mit Freilichtbühne nun eine Waldkulisse mit Advents-
lichtern im Gartenfenster bekommen:

Also wurden fix die restlichen Bäume aus dem Bärenwald 
am Puppenhaus entfernt. Und zurück blieben noch ein 
paar Arbeitsmaterialien wie Füllmaterial aus geschredderten 
Pappverpackungen, vertrocknete Katzengrastöpfe, verstaubte 
Gartenmoose und anderer Müll, den ich nun endlich mal 
entsorgen wollte.

Katz' fand es natürlich total spannend, wenn 
ihr Gartenfenster mal wieder umgebaut wird …

Vor allem, wenn es frische, fast vertrocknete Segge 
aus dem weißen Vorgarten in Braunschweig gab. 
Auch die ungeliebten zwei schwarzen Vasen meiner 
Schwiegermutter kannte Madame noch nicht. Wolfgang 
hatte sie gerettet, um sie im Büro an Kolleginnen zu 
verschenken. Aber die waren von diesen schwarzen 
Keramikvasen – weil total aus der Zeit gefallen, so gar 
nicht angetan. Und eigentlich wollte ich sie in den 
nächsten Tagen auch lieber wegspenden. Doch plötzlich 
erschienen sie mir im Fenster-Fuchswald als Seggenhalter 
extrem nützlich. Dazu noch einige künstliche Gräser,
einen Farnwedel und ich konnte loslegen.

den richtigen Platz im Fenster eingenommen hatten, 
die verstaubten Gräser und Moose doch wieder zur 
Anwendung kamen, ein paar Steine und alte Wallnüsse 
die Flächen füllten, und der Kunstfarn etwas Waldflair 
in die Landschaft zauberte, zog gleich der Igel ein.

nach der langen Zeit im verstaubten Bärenwald 
nun einen freien Platz vor dem Fernseher.

Rudy, die Rentiermaus baute sich bald darauf 
vor der Wald-Inszenierung auf …

Die 3 Erdmännchen fanden ein perfektes Versteck 
im Gartengrün zwischen Müll und Moos.

Und die beiden Füchse schlichen ganz interessiert 
immer wieder um die drei Windlichter herum.

Wie gut, dass die künstlichen Beerenzweige von
meiner Schwiegermutter noch nicht in den Herbst-
Dekokisten verschwunden waren. Denn in unserem 
Garten gab es nur noch Ligusterbeeren, verblühte 
Sommerfliederrispen, Hagebutten der Hedi Grimm 
und reichlich Moos & Laub vom Dach als Füllmaterial.

Jetzt kamen die Füchse ins Spiel ...

Doch wie ich dann erfuhr, hatte ich mich verhört: 
Statt Advent, Advent ein Füchslein rennt …, hatte ich
Advent, Advent ein Füchslein brennt …, verstanden. 
Und so musste Wolfgang dann plötzlich am 1. Advent 

Fotos: S.Schneider


Kommentare:

Sara Mary Waldgarten hat gesagt…

So ist das also bei Dir - oder besser gesagt war. :-)
Spannende Geschichte! Zu lange verweile ich auch nicht gern an einem (Urlaubs)ort, im Ggs. zu meinem Mann. Nur so eine weite Fahrt mit dem Auto war noch nie was für mich. Sehr mutig, finde ich!
Sieht alles sehr schön und märchenhaft aus! Die schwarzen Vasen sind doch gar nicht so schlecht und wo Schwarz ja jetzt wieder angesagt ist, fast schon wieder modern. :-)

Liebe Grüße auch hier
Sara

SchneiderHein hat gesagt…

@ Sara
Ja, war ;-) ich bin wirklich froh, dass ich damit bereits 1988 ganz gelassen abgeschlossen habe. Auch wenn ich es damals noch nicht wußte ...
Sicherlich gibt es viele, die im Laufe ihres Lebens mehr gereist sind. Aber einmal 1983 in ca. 3 Wochen allein mit dem Fahrrad an die Nordsee und über die Ostsee zurück; und gleich noch im Anschluß zusammen mit einem Freund mit dem Auto kreuz und quer durch Deutschland und die Grenzgebiete. Dann habe ich im Sommer 1984 mit einer Schulfreundin und ihrem Bekannten in 3 Wochen versucht einen Teil der Bretagne kennenzulernen und gleichzeitig noch einen Segel-, Tauch- und Surf-Kurs zu absolvieren. Im September 1986 dann die Irrwege nach Rom, und 1988 nochmals Italien - doch da schon etwas gemütlicher mit mehr Hotelübernachtungen.
Danach konnten sich Wolfgang und ich ab 1994 auf gemeinsame dreiwöchige Urlaube auf Amrum immer am selben Ort im gleichen Haus einigen. Das war für mich dann jedes mal so eine Art 'nach Hause kommen' und auch Wolfgang fand es ab da angenehm zu wissen, was ihn in den 3 Wochen Nordseeurlaub in etwa erwartete.

Egal ob Trend oder nicht, schwarze Vasen und schwarze Deko sind eigentlich nicht mein Fall. Sie sind auch in all' dem Gewusel aus Naturmaterialien nicht mehr zu sehen - bzw. so gut versteckt, dass ich sie glatt vergessen habe ;-) Aber für solche Dekorationen, die wir für Fotogeschichten ja auch gerne verwenden, sind sie sehr nützlich. So gibt es immer wieder etwas, was uns plötzlich an Wolfgangs Mutter erinnert ...