Freitag, 12. Dezember 2014

Aus dem Dekofundus in Osnabrück


Lange hat es gedauert, bis wir uns nun endlich dem Thema 
der Haushaltsauflösung in Osnabrück stellen. Einerseits lag 
es daran, dass Wolfgang den Sommer über und bis weit in 
den Herbst hinein sehr stark firmentechnisch eingespannt 
war - und die Arbeit nun mal immer Vorrang hatte. Und 
andererseits litt unter der stressigen Arbeitslage auch die 
Beantragung des neuen Personalausweises, ohne den man 
nun mal keinen Erbschein erhält. Diese Probleme hatten 
sich Anfang Dezember gelöst, so dass wir uns jetzt nicht 
mehr nur theoretisch mit dem Thema befassen können. 

Allerdings stehen wir dort - im Haus seiner Mutter, vor 
einem Problem, dass wir in unserem Zusammenleben in 
über 28 Jahren auch noch nicht in den Griff bekommen 
haben: Sammel-Leidenschaft und das vernünftige Lagern 
der geliebten Stücke …

Und da wir zur Zeit noch so gar nicht wissen, wo wir das, 
was wir aus Wolfgangs Elternhaus behalten möchten, auch 
zukünftig vernünftig unterbringen können, haben wir es 
uns mit der ersten Fuhre noch recht einfach gemacht: 
Wir haben zunächst die Deko-Stücke im Haus gesucht, die 
wir seiner Mutter irgendwann einmal geschenkt hatten. 
Doch davon reist der größte Teil nun zu meiner Mutter 
nach Braunschweig, da die beiden teilweise sehr ähnliche 
Dinge schön fanden. Und manche Dekorationen haben wir 
sogar ganz bewusst beiden Müttern geschenkt. So findet 
zum Beispiel bei den blauen Keramik-Schneemännern dann 
in der nächsten Woche am Dienstag so eine Art Familien-
Zusammenführung statt. Denn dann zieht der Schneemann 
zu seinen drei Geschwistern auf den Dachboden nach 
Braunschweig um. Zur Zeit befinden sich diese Dinge aber 
noch gut verpackt in Klappboxen in meinem Auto und 
warten dort auf die zweite Etappe ihrer Reise.

Und einige wunderschöne Deko-Dinge begegneten mir 
beim Suchen der früheren Geschenke im Keller meiner 
Schwiegermutter. Bisher war mir noch nicht bewusst, 
welch' umfangreiches Deko-Paradies sich im Laufe der 
Jahre bei ihr im Keller entwickelt hatte. Viele der 
außergewöhnlichen Stücke hatte ich noch nie zuvor 
gesehen. Und was dort alles an Material in drei Keller-
räumen in Regalen, Schränken, Kartons und Tüten 
schlummert, das konnte ich gestern Abend noch gar 
nicht alles erfassen. Ich muss zugeben, dass mich 
auch eine gewisse Scheu davon abhielt weiter zu 
stöbern. Denn es ist zwar sehr lange her, dass meine 
Schwiegermutter mal zu mir sagte: 'Ich schaue doch 
nicht in fremde Schränke!' Doch dabei ging es damals 
nur um Geschirr, dass sie während einer Feier bei uns 
im Haus aus einem Küchenschrank nehmen sollte. 
Und sie war auch noch vor einigen Jahren erstaunt, 
dass ich wusste, wo sich bei ihr der Tee im Küchen-
schrank befand, wenn ich ihr bei der Zubereitung 
helfen wollte … 

Daher habe ich gestern nur in der Kürze der Zeit 
die Dinge angeschaut, die mir bei der Suche nach den 
früheren Geschenken begegneten. Und einige der 
Teile, für die mir spontan eine Verwendung einfiel, 
wurden dann auch gleich mit ins Auto gepackt:

Die apfelgrünen Kugeln sind eine gute Ergänzung für die 
geplante Deko im Treppenhaus. Davor der kleine Metall-
vogel in Türkis-Orange-Tönen ist für den Herbst irgendwo 
in Haus oder Garten bestimmt. Die graue Maus, die mir 
schon damals auf ihrem Hochbeet gefiel - und nun seit 
einigen Jahren ein Kellerdasein fristete, findet bestimmt 
einen Platz im Garten. Und der Pfau, der mich schon lange 
als Ganzjahresvogel in ihrem Wohnzimmer begeisterte, 

Das weiße Windlicht, das Holztablett, der frostige Vogel 
im weißen Potpourri und der rote Trockenstrauß waren 
mal eine Deko, die wir ihr im vorletzten Jahr für die 
Adventszeit in die Klinik mitnahmen. Ihr großzügiges 
aber sehr karges Zimmer sollte doch gerade in der dunklen 
Jahreszeit etwas mehr Gemütlichkeit ausstrahlen. Doch,da 
sie ab Mitte Januar die Therapie dort auf eigenen Wunsch 
abbrach, fand ich alle Bestandteile inklusive der inzwischen 
vertrockneten Grünzweige gestern in einer durchsichtigen 
Plastiktüte im Keller wieder. Mit diesem Geschenk verband 
sie also leider nur noch unangenehme Erinnerungen. 

Dafür hatten wir ihr mit den drei großen braunen Schaukel-
pferden für die drei Fenster zur Straße wohl wirklich eine 
sehr große Freude gemacht. Doch die hat die fürsorgliche 
Nachbarin vor einigen Tagen bereits wieder in die Fenster 
gestellt. Sie werden also erst im Frühjahr wieder von 
unseren Bären geritten. Und dafür kam nun dieses recht 
kleine Schaukelpferd für unsere Mäuse mit. Es gab uns 
damals den Tipp für Wolfgangs Mutter drei große Schaukel-
Pferde bei Ebay zu suchen. Denn sie träumte anscheinend 
schon sehr sehr lange von größen Tieren zur Weihnachtszeit 
auf ihren Fensterbänken. Und dieses sehr kleine Exemplar 
hatte sie dann wohl aus Verzweiflung trotzdem gekauft, 
als ihr ein Werbeprospekt passende Pferde versprach. Es 
hing im Keller an einem großen Korkenzieher-Haselzweig, 
der leider nicht mehr mit ins Auto passte. Daher nahm ich 
die 7 dunkelroten Wachssterne sowie das Pferchen ab. Sie 
sollen im Flur zusammen mit einigen kleinen dunkelroten 
1,-€ Kugeln in den nächsten Tagen eine Dekoaufgabe haben.

Und diese Plastik-Kürbisse lagen auf der Etagere im Keller, die 
wir mal in der Weihnachtszeit in Celle für sie entdeckt hatten. 
Nun kommt die Etagere nach Braunschweig. Und die Kürbisse im 
Korb ziehen in unser Deko-Außenlager zu den Bären-Accessoires 
um. Ach ja, und der kleine Terracotta-Vogel, der sollte eigent-
lich mit auf den Gartentisch. Aber in den Osterkisten ist er 
auf dem braunschweiger Dachboden doch besser aufgehoben. 
Dann kann er wahlweise die Oster- & Sommerzeit in 
einem der beiden Gärten verbringen ...

Fotos: S.Schneider 


Nachtrag Sonntag, 14. Dezember 2014:
Und bevor das kleine Schaukelpferdchen nun eine neue Deko-


Kommentare:

Meriseimorion Mosaike hat gesagt…

Liebe Silke,
ja das kann ich mir vorstellen, dass so eine Haushaltsauflösung sehr viele schmerzliche Momente mit sich bringt.Ich musste mich dieser Aufgabe noch nicht stellen, doch kann ich es nachfühlen. Es wird aber bestimmt im Sinne der Vorbesitzerin sein, dass die lieb-gewonnen Dinge auch weiterhin liebevoll betrachtet werden. Dazu gehört aber nun mal auch das Stöbern in "fremden Schränken". Ich wünsche euch viele leichte Entscheidungen und viel Platz....
und einen schönen 4. Adventssonntag wünsche ich euch auch.
Liebe Grüße
Kerstin

SchneiderHein hat gesagt…

@ Kerstin
Schmerzlich weniger. Da half wahrscheinlich auch die Zeit die dazwischen lag. Denn sie war ja bereits am 13. Mai verstorben.
Aber auch wenn das nun schon meine dritte Haushaltsauflösung (zuvor 1996 der Haushalt hier im Haus von meiner Patentante & ihrem Mann und 2003 mein Vater in seiner kleinen Wohnung in Dresden), so ist es doch immer ein Eindringen in ein sehr persönliches Leben. Und gerade meine Schwiegermutter war in vielerlei Hinsicht recht verschlossen. Da habe und hatte ich mit Wolfgang - als Kind seiner Mutter, auch schon oft Probleme.
Und in den letzten Jahren kam bei ihr noch erschwerend hinzu, dass sie recht einsam und zurückgezogen lebte, und trotz Putzfrau & Gärtner, die ihr auch bei Besorgungen halfen, vieles einfach liegengeblieben war …
Gerade ihre Hauptanliegen das Haus als 'Lebensleistung' und ihr geliebter Schmuck, sind nun gerade die Dinge, die wir nicht behalten werden, da unser Lebensmittelpunkt nun mal Hannover ist. Und das Haus ist in die Jahre gekommen und erfordert einiges an kostenintensivem Sanierungsaufwand, um vermietbar zu sein.
Und für Schmuck kann ich mich nun fast gar nicht begeistern. Nur im Sommer für voluminöse Kurzketten zu Sonnentops. Da lagen wir geschmacklich weit auseinander. Vielleicht findet sich in der näheren Verwandtschaft aber noch jemand, der es zu schätzen weiß …
Ich selbst kann mich wohl wirklich nur teilweise für ihre außergewöhnlichen Dekogegenstände begeistern, und werde mich daher in nächster Zeit wahrscheinlich mehr im Keller aufhalten.
Glücklicherweise haben wir nun doch für eine alte Vitrine, die Wolfgangs Eltern mal gemeinsam restauriert hatten, zumindest einen provisorischen Platz im Haus gefunden. Zeitweilig war er schon aus Platzmangel bereit sie auch wegzugeben. Aber das würde er wahrscheinlich irgendwann doch bereuen …
Daher ist Dein Satz mit 'viel Platz' etwas, das wir uns im Moment ganz besonders wünschen. Damit wir nicht zu viele Fehlentscheidungen treffen müssen ... ;-)

Saras Waldgarten hat gesagt…

Wo ich hier auch noch lese ... das kann ich auch sehr gut nachempfinden, denn auch ich habe schon mehrere Haushaltsauflösungen anlässlich Todes mitgemacht. Zuerst eine Großmutter, dann die zweite, dann meine Schwiegereltern ...es ist schon ein seltsames Gefühl, in "fremden" Schränken vogelfrei herumstöbern zu dürfen. Plötzlich ist es gar nicht mehr so schön, all die Dinge einfach nehmen zu können, die man zuvor vielleicht gern gehabt hätte, aber nun kann sie einem niemand mehr geben, man kann einfach zugreifen ... ich hätte es lieber andersherum gehabt. Aber meine zweite Großmutter hatte mir schon einiges zu Lebzeiten vermacht, da kann ich nicht klagen.

Ich handhabe es sowieso jetzt schon so, daß ich meinem Schwiegertöchterle in spé die Dinge gebe, die sie gern haben möchte. Da wir zum Teil auch einen unterschiedlichen Geschmack haben, räumt sie mir schon nicht das ganze Haus leer. :-) Geben während des Lebens finde ich viel schöner, als wenn man zu sehr festhält und hinterher alles aufgelöst werden muß.

Und dann all die Geschichten, die an den Gegenständen "kleben" ...

Von meinen Schwiegereltern mußten wir das Meiste auch fortgeben. Es hätte nicht zu uns gepaßt, aber vor allem hätten wir den Platz nicht gehabt.

SchneiderHein hat gesagt…

@ Sara
Vielleicht hätte sie zu Lebzeiten schon noch so manches verschenkt, aber sie wurde ja wirklich vom Tod überrascht. Denn eigentlich hieß es in den 5 Wochen in der Klinik nur immer wieder, dass sie einfach länger braucht, um auf die Beine/zu Kräften zu kommen. Und ihr wurde oft genug von Ärzten & Pflegern vorgeworfen, dass sie nicht gut genug mitarbeitet, was den Gesundungsprozess unterstützen könnte.
Und nachdem Wolfgang telefonisch vor die Entscheidung gestellt wurde sie trotz Patientenverfügung an lebenserhaltende Maschinen anschließen zu lassen, oder relativ schmerzfrei in den nächsten Tagen sterben zu lassen, war sie nur noch am folgenden Tag etwas aufnahmefähig. Da war sie aber so geschockt von der Diagnose, dass sie mehr oder minder verstummte …

Ihre größte Sorge war aber wenn immer was mit ihrem Schmuck und dem Haus geschieht. Und das waren nun aber beides Dinge, wo wir ihr keine Perspektive über den Tod hinaus geben konnten/wollten. Und ihr nur immer wieder sagten, dass sie es nutzen und genießen sollte solange es möglich ist.

In fremden Schränken 'stöbern' ist für mich immer merkwürdig egal ob zu Lebzeiten oder danach. Aber z.B an einen Küchenschrank zu gehen, um in der Küche zu helfen, damit hatte ich nie ein Problem. Dass das ein Problem sein kann, lernte ich erst durch meine Schwiegermutter kennen. Und da kannten wir uns schon einige Jahre - bzw. Wolfgang & ich hatten schon geheiratet.

Sara Mary (© Herz und Leben) hat gesagt…

Das ist traurig, vor allem, wenn man noch Hoffnung hegt und sie ienem gemacht wird. Aber andersrum wäre es auch nicht gut, den Tod vorauszusagen - so in etwa: "Sie haben noch 4 Wochen zu leben!" Das raubt jegliche Hoffnung und Lebensmut und mancher lebte tatsächlich noch lange ...
Aber vielleicht war die Lebensuhr dennoch abgelaufen, das ist ja bei dem einen früher, beim anderen später. Auch mein Vater "arbeitete nicht mit", weil er es nicht konnte. Das muß man respektieren. Mancher fühlt es, daß er sich nicht mehr erholt. Den Angehörigen spricht er Mut zu, aber selbst spürt er, daß es sich dem Ende zuneigt.

In fremden Schränken mag ich auch nicht 'stöbern' ;-) Selbst bei meiner lieben Großmutter habe ich immer gefragt, wenn ich mal etwas aus dem Schrank holen sollte/mußte. Aber wenn der Mensch verstorben ist, ist es schon sehr komisch. MIt den Küchenschränken kenne ich es aber auch so. Da verbirgt sich ja auch meist nichts "Geheimnisvolles" drin. Obwohl meine Großmutter sehr bescheiden wohnte und in ihrem Küchenschrank auch Persönliches barg. Daher fragte ich auch immer ... Vielleicht kannte Deine Schwiegermutter es ähnlich?

Liebe Grüße
Sara