Donnerstag, 1. März 2012

Mein kleines Lastentaxi


Da steht wahrscheinlich schon seit einigen Jahren bei Stanze
eine Shabby-Chic Holzmöbel-Kollektion herum, die aber so
zu
dekoriert war, dass sie mir erst beim Umbau der Deko-
Abteilung aufgefallen ist. In der zusammengestellten Gruppe
der Möbel stand ein Regal, das der ideale Ersatz für mein
altes Regal im Wintergarten meiner Mutter werden könnte.

Das inzwischen wurmstichige und recht wackelige Korbregal
müsste jetzt wohl bald 35 Jahre alt sein und wurde damals extra
für meinen Teekeller angeschafft. Ob es die rappeligen Fotos
vom damaligen Teezimmer als Scan auch irgendwann einmal
auf den Blog schaffen werden? Lila Wände, eine Zimmerdecke
tapeziert mit Alufolie, ein Korkfußboden von der Rolle und
darauf Reisstroh-Teppiche. Alte Sesselauflagen vom Sperr-
müll bezogen mit weiß-violettem Stoff. Dazu viele Körbe
und Kissen, alte Obstkisten sowie Spankörbchen als kleine
Regale. Und das Highlight war der Ausblick auf eine etwa 3,5m
breite Schilf-Landschaft, die mit Scherenschnitt-Technik aus
Alufolie aufgebracht wurde. Im Nachhinein ist es schon mehr
als erstaunlich, wie viel Experimentierfreude meine Mutter
und meine Großeltern mir ermöglichten oder ertrugen ...

Doch, das Holzregal könnte ein würdiger Nachfolger für mein
Korbregal werden. Und es wird dann sicherlich noch bis zum
Lebensende in der Garage reichlich Deko-Trockenmaterial be-
herbergen können! Das neue Objekt der Begierde war jedoch
schon so alt, dass es inzwischen preislos glücklich war. Und es
dauerte einige Zeit, bis die Verkäuferin den Preis herausfinden
konnte. Die Wartezeit wurde natürlich in der gerade im Aufbau
befindlichen Kunstblumen-Abteilung genutzt:
Anemonen, Magnolien
und
weiße Blütenkugeln. Nur die 7 großen orange-gelben Tulpen,
die noch vor einigen Tagen so eindrucksvoll in einer hohen Glas-
vase etwas erhöht standen, und die ich mir nun doch endlich
leisten wollte, waren bis auf 2 Blüten verkauft! Aber dafür hüpfte
in der Zeit noch das ein oder andere österliche Dekostück in den
Einkaufswagen. Als ich nun wirklich all' meine Bedürfnisse in der
Deko-Abteilung befriedigt hatte, erhielt ich auch den Preis für
das Holzregal. Doch, das musste jetzt auch noch mit. Aber nun
kam die spannende Frage. In mein Auto? Die Verkäuferin mut-
maßte ich würde einen Kombi fahren. Aber bei mir kann selbst
so ein gut zusammenklappbares Regal nur als Beifahrer mit.
Daher blieb der Einkaufswagen vorerst im Laden und mit dem
Regal ging es zur Kasse. 10 % Rabatt auf das Ausstellungsstück gab
es noch dazu. Aber für das Einlösen eines 20,- Euro Gutscheines,
den ich vor einiger Zeit geschenkt bekam, und das Vorhaben
sündhaft teure orange-gelbe Tulpen zu kaufen, hatte sich mein
Einkaufsbetrag mit Regal & Co erheblich erhöht. Aber solche
Gelegenheit muss frau eben nutzen!

Nun kam der spannende Moment auf dem Parkplatz: Kopfstütze
runter, Sitz weit nach vorne ziehen, und die Rückenlehne möglichst
flach legen. Das ist nur gar nicht so einfach, wenn der Wagen eh'
nur als Zweisitzer durch die Lande fährt, und beim Peugeot 205
die Rückbank für die größere Ladefläche dann hinter den Vorder-
sitzen hochgeklappt wird. Und dann wollte sich diese blöde Kopf-
stütze plötzlich nicht herausziehen lassen! Inzwischen wurde ich
mal wieder beobachtet. Und ein älterer Herr signalisierte mir,
dass ich wohl seine Hilfe bräuchte. Die wollte ich auch gerne an-
nehmen, denn mit der widerwilligen Kopfstütze sah ich schwarz,
dass meine Einkäufe und ich den Laden bzw. Parkplatz gemeinsam
verlassen würden. Aber wie Männer nun mal so sind, hatte ich das
Regal schon von vorn bis hinten im Auto, und die Kopfstütze noch
im Vordersitz. Das war eine recht wackelige Angelegenheit, so
dass ich zuerst das Regal nach Hause hätte fahren müssen, um
dann den zweiten Teil meiner Einkäufe abzuholen. Soetwas ist
mir zwar auch schon häufiger passiert, aber theoretisch würde
auch eine Fuhre reichen. Es hatte etwas gedauert, bis ich den
hilfsbereiten Herrn davon überzeugen konnte, dass ich die Lade-
kapazität meines Wagens schon gut kenne und es ohne Kopfstütze
auf dem Beifahrersitz wesentlich praktischer und sicherer ist.
Zumal ich mit dem Regal noch die 70km nach Braunschweig
fahren muss. Ein Griff von ihm, und die lästige Kopfstütze wurde
unter dem Sitz verstaut. Dann das Regal rein: Sitzt, wackelt und
hat Luft. Und bei der Verabschiedung rutscht mir neben einem
'Vielen Dank für die Hilfe!' auch plötzlich noch heraus: 'Manchmal
sind Männer ja auch ganz nützlich ...'

Dann schnell wieder rein in den Laden, den Einkaufswagen aus der
Deko-Abteilung geholt und alles nahezu problemlos im Auto verstaut.


Als ich heute früh in Hannover die kostbare Fracht mit Wolfgang
zusammen nochmals sicherte, hatte ich vergessen ein Foto zu
machen. Aber das habe ich nun schnell in Braunschweig, auf dem
Hof meiner Mutter nachgeholt. Schließlich kommt es nicht alle Tage
vor, dass ein so breites Regal auf dem Beifahrersitz Platz nimmt!

Da steht es nun probehalber. Proportion & Größe sind perfekt.
Aufnahmekapazität: Ein Boden weniger, aber das ist hoffentlich zu
verschmerzen. Und es passt jedenfalls es viel besser zum Spiegel,
der Etagere, die ich eigentlich meiner Mutter mal für diesen Raum
geschenkt habe und vorallem zu
der Holzschale auf Fuß. Die drei
kleinen Holz-Übertöpfe habe ich auch sogleich bei mir sichergestellt,
denn die machen sich jetzt viel zu gut im neuen Regal. Und wenn
wir dann noch die alte Schilfwand durch dunkles Weidengeflecht
in Holzrahmen ersetzen oder uns einen maßgeschneiderten Paravent
bauen, der dann sogar noch das Regenrohr vor der Wand verdeckt ...

Aber nicht in diesem Jahr! Nun ist bald das Wohnzimmer zur Straße
dran, das schon seit vielen Jahren renovierungsbedürftig ist. Doch
wegen meiner Großmutter war es in den letzten 7 Jahren nur in
dringenden Fällen möglich Handwerker ins Haus zu lassen. Und bald
danach soll die 'gute' kalte Stube zum Garten zumindest kosmetisch
behandelt werden. Aber dann ist es angenehmer, wenn der Winter-
garten nicht auch noch zur Baustelle wird. Also kommt das neue
Regal in die Garage, denn dort kann es eigentlich auch nie genug
Stauraum geben. Ach, es war im letzten Herbst eine gute Ent-
scheidung meiner Mutter, dass sie kein Auto mehr fahren will.
So eine Garage als Lagerplatz für reichlich Gartenzubehör und
gärtnerisches DekoGerümpel ist nicht zu verachten!

Fotos: S.Schneider


Kommentare:

carola hat gesagt…

Silke,
hach das kenne ich - ganz genau.und sogar automäßig ;-) - ich hatte von 1971 bis 1977 den 204 kombi. ich habe dieses simple hochklappen der rücksitzbank und das runterklappen der lehne geliebt ! so herrlich praktisch, schnell und einfach !! - nie wieder danach habe ich so ein praktisches schnelles "umrüsten" erleben können.
und heutzutage sehen meine mietautos sehr häufig ähnlich aus wie bei dir. meine "beifahrer" sind regelmäßig verkehrstechnisch höchst bedenklich ;-)

SchneiderHein hat gesagt…

@ Carola
Wie ich lese, Du verstehst mich :-))

Wolfgang war ganz erstaunt, dass Du inzwischen sogar Mietautos so vergewaltigst ;-)

carola hat gesagt…

naja, wie sollen denn bitteschön sonst 25stück 2m douglasienbretter oder 600 ltr kübelerde in säcken nach hause kommen ?
ein auto ist ein auto. basta.

SchneiderHein hat gesagt…

@ Carola
Und schließlich gibt es Waschanlagen mit Staubsauger ;-)

Aber die lernt mein Auto immer nur kennen, wenn ich den Wagen nochmals durch den TÜV bekommen möchte oder im Folgejahr im Sommer zur Inspektion bringe ...