Samstag, 28. November 2009

Adventskalender ...


In wie vielen Wohnzimmern sitzen jetzt wohl wieder abends,
wenn die Kinder im Bett sein sollten, die Mütter & Väter und
packen Päckchen für den Adventskalender?

Meine Patentante, von der wir dieses Deko-Domizil
mit Haus & Garten 1995 geerbt haben, hatte mir Ende
der 60er diesen Adventskalender genäht und bestickt.
Und so war es damals in der Zeit vor dem 1. Dezember
sehr schwer mich abends ins Bett zu bekommen. Oder
ich stand dann plötzlich wieder unerwartet mitten im
Wohnzimmer, um ganz schnell noch einen Blick auf
das Füllmaterial zu erhaschen.

Wenn der Kalender dann endlich fertig bestückt vor dem
Schlafzimmer hing, ging sofort das Befingern der Päckchen
los. So manches mit 'Knickebein' oder anderen etwas druck-
empfindlichen Weihnachts-Leckereien gefüllte Paket ging
dabei auch schon mal zu Bruch. Und hinterließ sogar Flecken
auf dem Stoff-Untergrund. Wenn ich in der Nacht zwischen-
durch mal aufwachte, dann bin ich auch schon mal morgens
um 3 Uhr zum Kalender geschlichen und habe ein weiteres
'Türchen' geöffnet.

Ganz spannend waren die kleinen Beutel, die sich nicht
weich, sondern ganz hart anfühlten. Da konnte dann etwas
zum Spielen oder sogar ein kleiner Engel drin sein:

Diesen mit Kontrabass gab es mal am 24. Dezember.

Und so einen kleinen Weihnachtsboten bekam ich
wohl irgendwann in den 1. Dezember zum Start
des Weihnachtskalenders verpackt.


Und das ist im Laufe von vielen Jahren aus den Advents-
kalendern zusammengekommen! Kleine KWO Engel mit
einem Blütenkranz im Haar. Den Himmel von Wendt&Kühn
habe ich irgendwann reduziert in einem Drogerie-Geschäft
gefunden, vor dessen Schaufenster ich als Kind oft stunden-
lang stehen konnte. Und bald darauf hatte ich mir dann
vom Taschengeld noch die dazu passende Pyramide gekauft.
Auf dem Karton steht noch der Preis 39,95 DM. Diese Engel-
gruppe blieb viele Jahre verpackt. Aber in diesem Winter
soll sie nun
hier stehen ...


Ja, und so sah zum Beispiel mein Kalender am 1. Dezember aus.



Als ich nach Hannover zog, blieb das gute Stück bei meiner
Mutter in der Kommode. Für eine reinweiße, kantig unter-
kühlte Wohnung, in der als 'Farbe' nur Edelstahl, Chrom und
Spiegel zugelassen waren, passte so ein verspielter Kinder-
kram nun überhaupt nicht mehr. Da war als Weihnachtdeko
nur ein weißer hochglänzend lackierter Kalksandstein, eine
Spiegelfliese, ein Häufchen Lammeta gemischt mit einer
Klo-Kette und eine einsame weiße Kerze zugelassen.

Da musste sich erst ein 'Herr Hein' in meiner weißen Welt
breitmachen und wieder Farbe in mein Leben bringen ...

Die Farbe bestand unter anderem in einem kleinen Steiff-
Braunbären, der ab Herbst 1987 unser Leben grundlegend
veränderte. Denn nicht nur unsere heutigen Teddybären
haben reichlich Flausen in ihren Polyfill- & Holzwolle-Hirnen
!
Der Vater dieser Gedanken ist der inzwischen großjährige
kleine Bär mit seiner Welt. Eine Welt, die mir vollkommen
fremd war. Denn schließlich hatte ich all' meine Puppen und
Plüschtiere vor meinem Umzug 1985 nach Hannover auf den
Dachboden bei meiner Mutter verbannt. Lediglich meine
erste Puppe Minna durfte noch in meinem Kinderzimmer bei
meiner Mutter auf mich warten.

Wahrscheinlich hat meine Mutter in diesen ca. 2 Jahren
der klaren Strenge gelitten. Denn je mehr Charakter der
kleine Bär durch Wolfgang bekam, umso mehr konnte so
ein Tierchen auch gebrauchen:



Da besorgte meine Mutter doch voll Freude für ihren
'kleinen Großbären' und das Wiesel, das inzwischen auch
einen Weg in unsere Wohnung gefunden hatte, kleine
Weihnachtsbäume und Schlitten und sonstiges Zubehör.
Ob diese Fotos aus den End-80ern auch irgendwann noch
auf unserem Blog einen Post bekommen?

Und wir bekamen natürlich auch wieder einen Advents-
kalender von meiner Mutter. Das sind die bunten Papp-
kästchen im Hintergrund. Aber wenn wir schon so etwas
haben, dann braucht natürlich auch ein kleiner Bär einen
solchen Kalender! 'Haben wollen' und 'nicht warten können'
sind nämlich die Haupt-Charaktereigenschaften des
kleinen Bären. Woher er das wohl hat?

Also bekamen auch Bär und Wiesel ihren eigenen Advents-
kalender: Kleine Häuschen aus Keramik. Da aber das studentische
Budget nun doch nicht für eine Befüllung der Siedlung für zwei
Plüschtiere reichte, durfte der kleine Bär mit dem 1. Dezember
beginnen, Wiesel war am 2. Dezember dran und an solchen
wichtigen Tagen wie Nikolaus oder Weihnachten gab es selbst-
verständlich für beide etwas. Der kleine Bär kam natürlich bei
dieser Aufteilung besser weg! In dieser Zeit entstanden sogar
eigens für die beiden angefertigte LKW's mit den Schriftzügen
'Bären-Bomben' - die Idee dazu lieferte das Lebkuchen-Gebäck
mit Fruchtfüllung. Und dann gab es die Transportfirma 'Flink wie
die Wiesel'. Ja, Studenten in Design-Studiengängen hatten
damals noch viel Zeit ...


Fotos: SchneiderHein



Als uns für den Bär- und Wiesel-Adventskalender irgendwann
nichts mehr einfiel, gab es zum Glück einen neuen Grund
die Spielwaren-Läden zu stürmen: Freunde, die wir während
unseres Amrum-Urlaubes kennengelernt hatten, hatten in den
End-90ern einen Sohn im richtigen Alter. Was lag da näher, als
mitten im Sommer während des 3-wöchigen Schlechtwetter-
Urlaubes alle Geschäfte auf Föhr, Amrum und Sylt nach Advents-
kalender-Füllmaterial zu durchstöbern. Und so ging dann Ende
November 1999 ein riesiges Paket bestückt mit Kunstgirlande,
Lichterkette und 24 Päckchen zur Post, um dann hier an der
Wand einen Platz zu finden.


Vielleicht war es noch im gleichen Jahr, als Wolfgang dann
einen reduzierten Playmobil-Kalender entdeckte und schon
mal für 'später' einlagerte. Das oben gezeigte Kind war jedoch
im darauf folgenden Jahr wohl schon zu alt für Playmobil.
War da eventuell schon Pokémon angesagt?

Jedenfalls schlummerte der Kalender einige Jahre und wartete
auf ein Kind, das nicht kam. Dafür aber eine Freundin, die sich
als Playmobil-Fan outete. Das war eine Freude, als sie jeden Tag
ein Türchen öffnen durfte!

Arm dran sind da schon die Kinder, die so ein Kaufding aus dem
Supermarkt bekommen, wo jeden Tag nur Schokolade in einer
anderen Form drin ist. Obwohl es ja sogar Kalender gibt, die
ganz s
üßigkeitenfrei sind ...




Und wir Erwachsenen haben nun eine neue Möglichkeit
des Weihnachtskalenders für uns entdeckt: Jeden Tag ein
Türchen im www zu öffnen. Dazu hat
Maria Zauberfee
im Laufe der Jahre sehr schöne Internetseiten 'gebastelt':


Adventskalender für Kinder und Erwachsene

Adventskalender für Rosenfreunde

Adventskalender rund um die Weihnachtspflanzen

Adventskalender Gartenkultur

kulinarischer Adventskalender

und einen Adventskalender zum Thema Zeit



Aber Zeit ist gerade in der Weihnachtszeit ein kostbares Gut.
Vielen Bloggern fehlt einfach die Zeit, jeden Tag etwas Neues
hinter einem Türchen im www zu verpacken ...


Daher kam Elke vom MainZauber-Blog auf die Idee des
Adventskalender-Blogprojektes. Der nun über 25 Blogs führen soll.
Und da ein Adventskalender, wie der Name ja eigentlich sagt,
am 1. Advent starten sollte, beginnt dieser Kalender bereits
am 29. November bei Elke ...

Und unsere Tür öffnet sich hier am 3. Dezember 2009.


Kommentare:

GGG+V hat gesagt…

Wie schöööön!!! Das waren noch Zeiten.....

In diesem Jahr habe ich keinen Adventskalender zusammen, haben wir doch jetzt zwei Kinder zu versorgen und keines soll benachteiligt sein, so fällt halt der Nikolaus etwas größer aus ;o) Zwischendurch gab es auch schon mal ein paar Kleinigkeiten, so dass die "großen Kleinen" gut damit leben können.
Der Weihnachtsmann kommt ja auch noch .......

Liebe Grüße (auch an Bär und Wiesel von Stinki und Wachbär)und einen schönen 1. Advent

GG + GV

SchneiderHein 2 hat gesagt…

@ GGG+V
Wachbär & Stinki gibt es immer noch? Aber wohl eher bei 'Muttern' auf dem Sofa. Der 'Kleine' hat ja jetzt wohl ganz andere Interessen ...!?

Petra hat gesagt…

Wirklich schöne Ideen für Adventskalender .......
"Für eine reinweiße, kantig unterkühlte Wohnung.." Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, daß es sowas gegeben hat :-) ...ich finde die Dekos einfach alle super toll.....
Grüße
Petra

SchneiderHein 2 hat gesagt…

@ Petra
Tja, ich kann und mag eben vieles - das ist ja auch gut auf diesem Blog zu sehen. Allerdings bleibe ich mir ja doch in gewisser Weise seit vielen Jahren treu.

Irgendwann muss ich mal das Foto raussuchen - nur so zum Schocken. Doch im entsprechenden Umfeld finde ich solche unterkühlte Minimal-Deko immer noch passend. Evenuell würde ich heute nur ein paar Materialien austauschen ...

Kleine-creative-Welt hat gesagt…

Liebe Silke,
etwas wehmütig hab ich deinen Post gelesen. Ich hab leider nichts mehr aus meiner Kindheit, da meine Mutter alles verschenkt hat damals.
Ich beneide dich um die Erinnerungen. Du warst ja ganz schön frech als Kind - grins - das hätte ich n i e getan -
wie gut dass Herr Hein in dein Leben getreten ist.
Ach du hast sooo schöne viele Tiere und Zubehör - einfach süß - aber da hab ich auch einiges zu bieten - Stofftiere haben es mir immer schon angetan.
Ich wünsche dir einen schönen 1. Advent - lg. Ruth

Elke/Mainzauber hat gesagt…

Hallo Silke,
dein Beitrag von heute wäre schon was zum Füllen deines Türchens gewesen. Ich habe mich einerseits amüsiert, andererseits beneide ich dich fast ein wenig um deine schönen Erinnerungen. Solche Erinnerungen habe ich keine, der Adventszeit wurde bei uns keine so besonders große Bedeutung beigemessen. Ich wünsche dir einen schönen 1.Advent!
Herzliche Grüße
Elke

mausimom's hat gesagt…

Was für ein Glück, dass der Traumprinz Dich aus der reinweißen Welt erlöst hat!!
Mir würde sonst echt was fehlen!! ;o)
Dein Blog ist für mich ein ganz besonderer Advents-Saison-Jahreszeiten-und viel mehr-kalender

Ute hat gesagt…

Liebe Silke,
mir schwirren viele Gedanken im Kopf herum. Aber irgendwie fehlen mir gerade die Worte. Ich kann nur eins sagen: ein schöner Post mit so schönen Erinnerungen zum 1. Advent. Mir kommt es vor, als wäre meine Kindheit 100 Jahre her, aber ich vermute, wir sind altersmäßig gar nicht so weit voneinander entfernt, wenn ich mir das Bild aus den 60ern anschaue. Ich kann mich nur nicht mehr so gut erinnern wie du!!!
Dir einen ganz wunderbaren 1. Advent und ich stelle fest, dass man dazu nicht unbedingt Kinder braucht, wegen denen man all diese Rituale feiert.

ninifee hat gesagt…

ohhh - kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, das du mal so spartanisch gewohnt hast (bei weiss - chrom - spiegel - da bekomme ich ja gänsehaut). welch ein glück, das sich doch alles ganz anders gefügt hat. da haben sich ja doch zwei gesucht und gefunden.

ich fülle auch noch immer den kalender - mit holzfiguren, flöte, wachsmalblöcke, filzschnüren und ....ja, ein bisschen was süsses soll auch sein. leider hat das mm das versteck hinter der türe im schlafzimmer schon entdeckt - sie fingert auch immer an den säckchen herum:)

guild-rez hat gesagt…

Weihnachten, ist für Kinder sage ich immer. Ihre Freude und Erwartung, ist vor Weihnachten in vielen Häusern zu sehen und zu spüren. Das lese ich auch hier..
Adventskalender, eine Tradition, die von meiner Kindheit, auch an meine Kinder weiter gegeben wurde.
In Canada und den USA, haben die Einwanderer viele Traditionen aus ihrer Heimat mitgebracht. Nun liegt es ist an uns, diese Traditonen zu pflegen.
Werden unsere Nachkommen es tun? Das ist sehr zweifelhaft!
Ich wünsche Dir eine schöne Adventszeit!
Gisela

SchneiderHein 2 hat gesagt…

@ Ruth
Ja, leider gab und gibt es das wohl häufiger, dass die Spielsachen dann einfach weggeschenkt oder verkauft werden, wenn Kind angeblich zu alt dafür ist. Bei meiner Mutter in der Nachbarschaft musste ein Junge mit 13 Jahren seinen Teddy weggeben, da er angeblich jetzt zu alt dafür/Spielzeug wäre.
So bin ich auch mit etwa 3 Jahren zu einem wunderschönen Kaufmannsladen gekommen, da die anderen Kinder in der Verwandtschaft irgendwann zu alt dafür waren. Nach mir kam dann eine so große Lücke, dass sich wohl keiner mehr an das gute Stück erinnerte. Wahrscheinlich wäre er sonst irgendwann auf dem Sperrmüll gelandet!?

Ja, so ein 'Herr Hein' - das ewige Kind wirkt Wunder. Zu Beginn meines Studiums (als absoluter Bauhaus-Fan) hätte ich mir wirklich nicht vorstellen können, dass mir so eine Kehrtwendung widerfahren könnte.

@ Elke
Ja, hoffentlich schaffe ich es bis zum 3. Dezember das Türchen so zu füllen, wie ich es mir vorgenommen habe. Im Moment scheint die Zeit gegen mich/uns zu arbeiten ...

@ Mausimom's
Meinetwegen hätte die weiße Welt noch etwas länger anhalten können - auch wenn meiner Mutter im Winter trotz gut geheizter Räume dort mächtig fröstelte.
Ein anderes Experiment, dass Herr Hein mitverursacht hatte, war dann 2001 eine 'Zahnarzt-Praxis' mit Teppichboden: Weiße Wände, wieder Spiegel und Edelstahl, aber dafür lichtgraue Möbel. Wer hat sich da wohl wohler gefühlt?
Außerdem habe ich auch sowohl in der weißen als auch in der grauen Welt trotzdem Farbe gemocht - nur eben als besonderer Akzent.

@ Ute
Es ist wohl wirklich nur entscheidend, wie erwachsen man sein will, bzw. ob man sich zwischendurch genehmigt auch wieder verspielte & kindliche Gedanken zuzulassen.
Ich glaube, dass auch meine Kindheit bestimmt nicht so präsent wäre, wenn es da nicht Wolfgang gäbe, der sie 'gnadenlos' für seine Bärenwelt 'ausschlachtet' ... Und dann steige ich natürlich auch viel zu gern in so ein Thema ein.

@ Ninifee
Ja, die Gänsehaut hatte meine Mutter auch in meiner Wohnung, wenn sie zu Besuch war. Komischerweise mochte sie unsere ebenso unterkühlte graue Wohnung...

Gesucht und gefunden hatte ich ;-)
Aber im Laufe der Jahre haben wir uns prima 'verkorkst'

Ach ja die lieben Kleinen, die ändern sich auch nach so vielen Jahren zum Glück nicht - wie schön!

@ Gisela
Stellt sich nur die Frage wielange ein Kind ein Kind ist!? Ich wohne jedenfalls zeitweilig mit einem sehr großen Kind zusammen ;-) und das ist auch gut so!

Anonym hat gesagt…

:-)

Vielen Dank für diesen wunderschönen Beitrag. Ich wünsche dir eine schöne Adventszeit.

Liebe Grüße von Inge aus HH

Anonym hat gesagt…

Also meine Kuschelbären haben im letzten Jahr einen wunderschönen Adventskalender von lieben Bärenfreunden geschenkt bekommen und auch einen Kalender verschenkt:-). Das dann tägliche gemeinsame "Öffnen" der Türchen hat aber nicht nur den Bären großen Spaß gemacht, sondern auch der Bärenmama :-). Ein schöner Bilderadventskalender hängt auch in diesem Jahr wieder an der Wand, ich liebe solche kleinen Spielereien und in der heutigen schnellebigen Zeit, mit all dem Alltagsärger und Streß bringt das tägliche Türchenöffnen einfach ein bißchen Kindheit zurück...

Bella hat gesagt…

Was für ein herzerwärmender Beitrag, fast eine Lebensgeschichte in Adventskalendern oder eben in nicht vorhandenen Adventskalendern.
Schön geschrieben.
Dann wünsche ich noch einen schönen ersten Advent.
Herzlichen Gruß Bella