Freitag, 15. Mai 2009

Wie macht das Nanu-Nana bloß?



Die kleine Keramik-Schale kostet 2,95 und das größere Gefäß gibt
es für 4,95 Euro bei Nanu-Nana. Und noch dazu wahrscheinlich sogar
wasserdicht. So sind die überzähligen Wasserpflanzen aus dem Teich
nun auf dem Steg-Podest vor der Hedi-Grimm gut untergebracht.

Foto: S.Schneider


Einerseits freue ich mich über schöne Dekostücke zum
günstigen Preis. Aber ein etwas mulmiges Gefühl bleibt zurück:
Immer mehr kleine Deko-Geschäfte verschwinden und werden
von großen Ketten, die 'hauptberuflich' oder auch nur nebenbei
Deko-Material anbieten, abgelöst. Und ist es nicht absurd, dass
etwas 'Made in Asia' oder wo auch immer es jetzt herkommt, trotz
Produktion, Verpackung, Schiffstransport & sonstiger Logistik bis
zum Geschäft, unter der Berücksichtigung von Ladenmiete und
Personalkosten zu diesem regulären Preis angeboten werden kann?


Kommentare:

Kleine-creative-Welt hat gesagt…

Hallo Silke,
da hast du Recht. Einerseits toll, dass auch der "Normalbürger" sich schöne Sachen leisten kann - auf der anderen Seite, für welchen Preis für die, die es herstellen? Ich hab auch immer ein wenig schlechtes Gewissen.
Was sollen wir tun? Nichts mehr kaufen?
Genieß deine schönen Sachen -
liebe Grüße - Ruth

Anonym hat gesagt…

Hallo Silke,

ich finde es auch sehr schade, daß man inzwischen fast überall die selbe billige (nicht die traditionell hergestellte) Importware aus Fernost sieht und die kleinen originellen Läden nicht mehr da sind. Oft riechen die Billigteile auch unangenehm, vor allem Korbwaren. Fehlender Schutz von Kindern und Umwelt spielt bei extremen Niedrigpreisen und Massenproduktion sicher auch eine Rolle. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich in den 80er Jahren im Urlaub an der Nordsee mit meiner Mutter ganz feierlich in den kleinen Dekogeschäften am Ort gestöbert habe und noch wirklich besondere Dinge entdecken konnte, die mich dann über Jahre begleitet haben.
Ich bin aber Optimist, daß es wieder eine Gegenbewegung geben wird.
Iris

Ute hat gesagt…

Liebe Silke,
nicht nur dass die kleinen Geschäfte verschwinden, bei uns sind es auch solche wie Nanu-nana oder kri-kri, oder wie sie auch heißen. War gestern in der Innenstadt und habe mich gewundert, dass es kein einziges solcher Geschäfte mehr zu finden gibt. Die Welle scheint abzuebben. Auf der anderen Seite gab es bei Buch-Habel z. B. jetzt mehr oder weniger eine Deko-Abteilung. Es ist wohl wie mit allen kleinen Geschäften, sie werden von den großen platt gemacht. Dass mit den billigen Preisen sollten einen schon nachdenklich stimmen. Man muss sich nur mal überlegen, wer in den Herstellungsländern die Dinge wohl produziert. Da sind bestimmt nicht selten Kinder dabei, ähnlich wie bei Billigkleidung. Wenn man es sich leisten kann, ist es wohl schon angebracht wohlüberlegt zu kaufen, denn ich denke die Käufer bestimmen letztendlich den Markt. Leider gibt es aber immer mehr Menschen, die schon auf den Preis schauen müssen und für die ist es dann natürlich toll, wenn es billige Produkte gibt.
LG von Ute

SchneiderHein hat gesagt…

@ Ruth, Iris & Ute
Die Arbeitsbedingungen, unter denen diese Dinge entstehen sind sicherlich oft sehr schlecht und häufig bestimmt auch gesundheitsgefährend.
Denn es stimmt schon, wenn ich zum Beispiel zu Tedi gehe, steht dort fast immer die Ladentür auf - auch bei Regen und vom Frühjahr bis weit in den Herbst hinein. Und im hinteren Bereich des Ladens brennen mir manchmal sogar die Augen, bzw. ich habe das Gefühl ein stechender Geruch steht im Raum, wenn die Mitarbeiter ihre neue Ware auspacken und einsortieren. Das scheint sogar dort schon ein ungesunder Arbeitsplatz zu sein! Wie muss es dann erst den Menschen in den Ländern ergehen, die die Dinge produzieren, die dann hier für 1,- Euro verramscht werden?
Aber das Geschäft mit diesen Dingen boomt - da bin ich sicherlich nicht die einzige, die dort kauft und sich über Schnäppchen freut. Bzw. es gibt bestimmt immer mehr Personen, die sich Kleidung, Schreibwaren oder Geschirr nur noch in solchen Billig-Läden leisten können. Und das gibt es auch zu bedenken: An diesen Geschäften hängt auch so mancher deutsche Arbeitsplatz ...

Der Trend zu solchen 'Deko-Ketten' geht meiner Meinung nach weiter: Ich war ganz erstaunt, als in Braunschweig 2007 ein großes Einkaufszentrum in der Innenstadt eröffnet wurde, wo sich neue große Deko-Geschäfte nur so tummelten. Seit dem letzten Herbst gibt es neben Nanu-Nana & Butlers auch Cult & Depot in Hannover in einer neuen Galerie am Bahnhof - nur noch etwas größer als in Braunschweig. Es mag sein, dass in kleinen Städten sogar diese Läden schon zum Sterben verurteilt sind, aber in größeren Städten scheint es noch die Hoffnung auf erhöhten Deko-Bedarf zu geben. Diese Hoffnung ist auch begründet, denn wenn wir uns weniger leisten können, deswegen kürzer oder gar nicht mehr in den Urlaub fahren, weniger Ausflüge machen, seltener Essengehen, dann soll es zumindest das Zuhause gemütlich und nett sein. Und damit uns dort nicht die Decke auf den Kopf fällt, brauchen wir immer wieder neue Dekorationen. Ich bin selbst das beste Beispiel dafür ...
Aber unter diesen wirtschaftlich ganz anders funktionierenden Deko-Ketten mit ihren akzeptabelen Preisen gehen natürlich die kleinen Geschäfte und selbst anspruchsvollere Garten-Center nach und nach kaputt. Und die Einrichtungs- & Deko-Läden, die versuchen sich zu retten, passen sich mit ihrem Waren-Sortiment so sehr an, dass die schönen anspruchsvolleren Dinge aus ihrem Angebot oftmals verschwinden. Oder es verlagert sich in Online-Shops.
Es stimmt schon, wie schön war es früher an der Nordsee in Geschäften zu stöbern und dort ganz besondere Dinge zu entdecken. Diese Läden mit ihrem Sortiment sterben leider auch aus. Aber wohl auch, da Urlaub an der Nordsee heute wirklich ein Luxus geworden ist - nicht nur auf Sylt. Wer hat bei den Übernachtungspreisen dann noch genug Urlaubsgeld für den Einkauf in exklusiven Geschäften? Und wie viele Urlauber sind dann nach der Wende an die Ostsee in die neuen Bundesländer gereist?

Ich glaube kaum, dass durch die Kauf-Verweigerung von Billigprodukten viel zu verändern ist. Beim Rinderwahnsinn waren sich die Verbraucher mal einig und haben einiges erreicht. Aber beim Shell-Boykott wegen der zu versenkenden Öl-Plattform war der Erfolg schon mäßiger. Ich glaube das Problem der Billig-Produkte ist einfach zu vielfältig und global.

Also werde ich mich mit einem mulmigem Gefühl wohl weiterhin über Füllmaterial-Schnäppchen freuen. Die ich allerdings nicht gleich wieder wegwerfe, da bald darauf etwas anderes trendy sein soll. Aber genauso gern werde ich auch weiterhin in kleinen Geschäften oder bei Manufactum stöbern und kaufen - nur eben nicht so oft, da diese Dinge eben ihren berechtigten Preis haben ...

Ute hat gesagt…

Liebe Silke,
ich hoffe, du hast dich jetzt nicht angegriffen gefühlt. Das wollte ich nicht, denn ich kaufe ja selber gerne billig ein, und könnte mir es auch nicht leisten, nur der Nachhaltigkeit wegen immer auf Qualität zu achten. Das ist die eine Seite. Die andere ist, dass ich es schon gerne öfters würde. Dein Argument, dass man es sich zu Hause umso schöner machen möchte, je weniger Geld man für Urlaub etc. hat, trifft bestimmt zu. Ein guter Tipp ist in diesem Zusammenhang übrigens auch ein Besuch auf deinem Blog, denn die vielen schönen Dinge die du zeigst sind auch eine Quelle der Entspannung. Jedenfalls für mich. Im Gegensatz zu einer Zeitschrift, in der einem immer nur ein Bruchteil gefällt, weiß ich, dass ich in vielen Blogs immer was Schönes zu sehen bekomme. Wie viel Einfluss wir als Käufer auf den Markt haben, weiß ich auch nicht. Es gibt bestimmt Menschen die sehr darauf achten, nur hochwertige Produkte zu kaufen, aber der Trend zeigt ja, dass die Masse nicht dazu gehört. Ich habe mal eine Zeitlang H&M boykottiert, weil ich gehört hatte, dass die ihre billigen Klamotten mit Kinderarbeit produzieren. Aber ich bin nicht konsequent und ich gebe es zu, ich finde es auch nicht schlimm. Ich glaube nicht, dass ich alleine die Welt retten kann, aber ich mache es wie du, ich unterstütze ab und zu die kleinen Einzelhändler und gönne mir dann auch mal den Besuch im billigen Gartencenter & co.

SchneiderHein hat gesagt…

@ Ute
Nein, ich habe mich überhaupt nicht angegriffen gefühlt!
Nur stelle ich immer häufiger fest, dass einige Blogs mit ihren Themen oder Kommentaren meine Sichtweise in manchen Bereichen beeinflussen oder allmählich sogar verändern können. Oder zumindest manche Verhaltensweisen in Frage stellen. Und selbst solche banalen Themen wie nette & günstige Deko-Gegenstände haben leider auch eine Kehrseite der Medaille. Aber auch ich mache mir keine Illusionen die Welt retten zu können ...

Wohn- & Deko-Zeitschriften kaufe ich ebenfalls nur noch selten. Meist sind mir die Vorschläge oder Inszenierungen dann doch zu perfekt und abgehoben - bzw. den dort vorgeführten Luxus möchte ich mir gar nicht leisten. Die Mischung aus qualitativ hochwertigen Stücken mit günstigeren Produkten oder auch alten Fundstücken mit Geschichte finde ich einfach viel reizvoller.

Bella hat gesagt…

Eine sehr interessante Diskussion. Ich habe schon ein schlechtes Gewissen, wenn ich zu verschwenderisch bin, sogar wenn ich den Vögeln die Hagebutten wegnehme.
Auch kaufe ich fast gar keine Wegwerfpflanzen mehr, wie z. B. Frühlingsprimeln, mag es in den Wohnzeitschriften auch noch so schön aussehen.
In Billigläden kaufe ich gar nicht, da riecht es mir auch zu unangenehm. Allerdings bin ich eh nicht so die Dekokünstlerin, wer weiß, wenn ich auch so tolle Kreationen zustande brächte, könnte ich vielleicht auch nicht widerstehen.
LG Bella

SchneiderHein hat gesagt…

@ Bella
Ja, ich finde die unterschiedlichen Überlegungen, die sich aus dieser Frage ergeben auch äußerst spannend!

Dafür dürfen unsere Vogel die Walderdbeeren, Sauerkirschen und Heidelbeeren miternten! Hagebutten nehme ich den Vögeln eh' nicht richtig weg - höchstens, dass ich sie umverteile: Denn auch wenn einige von ihnen zweitweilig drinnen dekoriert werden, so kommen sie später leicht getrocknet wieder raus auf den Hof. Dort sind sie dann wirklich Winterfutter bzw. ein paar werden dann zu neuen Rosensträuchern. Ich bin ganz erstaunt, was für neue Wildrosen sich in den 12 Jahren in unserem kleinen Vorgarten angesiedelt haben.

Gerade gestern habe ich auch darüber nachgedacht, dass die Zahl der gekauften Frühlingstöpfchen in den letzten Jahren bei mir & meiner Mutter immer mehr abgenommen hat. Die meisten Außenschalen sind jetzt mit Immergrünen und Stauden und Zwiebeln bepflanzt. Und die Innenendeko lässt sich prima jedes Jahr mit künstlichen Blüten, Grünschnitt und vertrocknetem Material aus dem Garten herstellen. Da kann ich gut auf so manchen Hyazinthen- bzw. anderen Priemeltopf verzichten. Und bei meinen Narzissen oder Traubenhyazinthen ist schon so mancher reingefallen, wie echt sie sind. Klar ist die Produktion & der Transport bestimmt auch nicht ohne Umweltschäden zu bewerkstelligen, aber im Vergleich zu den Energiekosten, die bei der Gewächshaus-Produktion entstehen ...
Unser Garten ist jetzt im Sommer eben fast nur noch grün, aber dafür dann bald mit Beeren und Hagebutten geschmückt.
Auf Sommerblumen, die nicht überwinterungsfähig sind, verzichten wir im Garten meiner Mutter schon ganz. Allerdings hatten wir in diesem Jahr erstmals bewusst festgestellt, dass die häusliche Überwinterung im Keller bzw. unter dem Glasdach bei meiner Mutter zumindest einen nicht unerheblichen Dünge-Ungezieferstäbchen Einsatz erfordert. Ohne dieses Kombi-Hilfsmittel wären die Fuchsien spätestens im Februar schon total verlaust.

Das mit dem Geruch war mir gerade gestern in einem Billigladen wieder aufgefallen. Von Jahr zu Jahr gibt es immer mehr Produkte, um die ich auch einen Bogen mache. Allerdings finden sich dort auch immer mal wieder Restposten oder Konkurswaren, die sonst auch in 'normaleren Läden' stehen.
Aber die meisten Produkte kommen doch heute eh' aus dem Ausland oder haben zumindest innerhalb Deutschlands schon unverhältnismäßig weite Wege hinter sich. Selbst ein Joghurtbecher ist da doch schon das beste Beispiel ...

Unsere Welt geht leider recht verschwenderisch mit jeglicher Art von Material um. Und wenn wir uns dessen verweigern, dann ist die Finanzkrise wohl erst am Anfang... Leider lebt das System anscheinend nur vom ständig wachsenden Konsumbedarf. Was bleibt, ist doch eigentlich nur Hilflosigkeit.

Also werde ich es mir weiterhin zuhause nett machen, damit mir hier nicht irgendwann die Decke auf den Kopf fällt. Aber deswegen auch selten bis gar nicht mehr in den Urlaub fahren, und auch viele der angehäuften Deko-Produkte mehrmals verwenden oder auch zeitweilig verleihen. Dafür richte ich dann vielleicht in anderen bereichen etwas weniger Schaden an ...!?

Anonym hat gesagt…

Netter Beitrag